Natura 2000 - Travetal

Die Trave und der europäische Naturschutz

Die Trave ist das drittgrößte Flusssystem Schleswig-Holsteins und hat eine große Bedeutung für den weiträumigen Verbund verschiedener Lebensräume des Östlichen Hügellandes bis hin zur Ostsee. Deshalb wurde sie vom Land Schleswig-Holstein als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (kurz: FFH-Gebiet) ausgewiesen und an die Europäische Union im Rahmen des Natura 2000-Schutzgebietssytem gemeldet. Das bedeutet, dass die hier vorkommenden besonders wertvollen Lebensgemeinschaften spätestens seit November 2007 weder zerstört noch negativ beeinträchtigt werden dürfen. Um eventuelle Verschlechterungen für die Lebensgemeinschaften und für bestimmte Arten zu vermeiden, verpflichteten sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union und somit auch die deutschen Bundesländer, die dafür erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen festzulegen. Dies geschieht mittels eines FFH-Managementplanes, der für jedes FFH-Gebiet nach bestimmten Vorgaben aufgestellt werden muss. Darüber hinaus sind die Länder gemäß rechtlicher Vereinbarungen innerhalb der EU verpflichtet, die Entwicklung zu beobachten und bei einer verschlechterten Situation der relevanten Arten oder Lebensgemeinschaften tätig zu werden.

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gefällereiche Trave bei Kupfermühle

Zwei FFH-Gebiete an der Trave

Das FFH-Gebiet "Travetal" DE 2127-391 beginnt am Auslauf des Warder Sees und endet mit Beginn des Lübecker Wallhafens. Das Schutzgebiet weist somit eine Länge von mehr als 60 km auf. Die Faule Trave sowie der Stadtarm in Bad Oldesloe gehören ebenfalls dazu. Während das Schutzgebiet über weite Strecken nur die Trave mit einem schmalen Uferstreifen umfasst, sind in anderen Bereichen auch die Niederung und die Talhänge einbezogen. Ebenfalls Bestandteil des Schutzgebietes sind wald- oder gehölzbestandene Abschnitte etlicher schmaler Bachschluchten; diese Kleinstareale weisen in der Regel einen größeren Abstand zur Trave auf. Mit Ausnahme der Pulverbek finden sie sich zwischen Kneeden bzw. Sehmsdorf und Barnitz. Offiziell wurde für das "Travetal" eine Größe von 1.361 ha ermittelt.

Der Unterlauf der Trave, beginnend in Lübeck mit der Mündung der Schwartau und dem NSG Schellbruch, wurde mit der Mündung in die Ostsee zum FFH-Gebiet „Traveförde“ DE 2030-392 zusammen geführt. Seine Größe wird mit 2.146 ha angegeben.

Mühle am Oldesloer Stadtarm der Trave
Quelle am Travehang bei Schlamersdorf

FFH-Gebiet "Travetal"

Die Trave schlängelt sich durch enge Täler wie durch breite Niederungen. Die Talflanken werden von zumeist  steilen Moränen gebildet.  Das Schutzgebiet reicht jedoch nicht bis an die Talränder. Es ist in vielen Abschnitten auf die Trave mit einem schmalen Ufersaum konzentriert. Einen solchen Zuschnitt finden wir zwischen dem Warder See und Rönnau, zwischen Klein Gladebrügge und Traventhal sowie wischen Bad Oldesloe und Lübeck. In anderen Abschnitten bezieht das Schutzgebiet die angrenzende Niederung und ihre Talhänge teilweise ein; dies betrifft die Niederung der Trave zwischen Schackendorf und Klein Gladebrügge sowie zwischen Traventhal und Bad Oldesloe. Die Niederungen der Faulen Trave und der Wökenitz wurden ebenfalls weiträumiger, aber nicht bis an die Talränder, einbezogen. Hier handelt es sich um  in Nutzung befindliches oder brach gefallenes Grünland, um Weidengebüsche und um Erlenwald-Bestände. Die berücksichtigten Talhänge sind überwiegend mit Wald bewachsen.

Einige der Trave zufließende Bäche bildeten tiefe schmale Schluchten. Ihre Flanken sind mit Wald bzw. mit Bäumen bestockt. Während die Schlucht der Pulverbek mit der Trave und ihrer Niederung einen zusammenhängenden Raum bilden, liegen die Schluchten der anderen Zuflüsse in einiger Entfernung und ohne Verbindung zum unmittelbaren Schutzgebiet der Trave.

Trave mit offener Niederung, bei Traventhal
Trave von bewaldeten Hängen begrenzt, bei Bebensee

Flora im FFH-Gebiet "Travetal"

Die Trave wurde in ihrem Verlauf und Profil in der Vergangenheit nach wasserwirtschaftlichen Gesichtspunkten für Landwirtschaft und Schifffahrt gestaltet.  Die Trave ist daher nur noch in wenigen Abschnitten naturnah mit Vorkommen von typischen Wasserpflanzen wie Flutendem Hahnenfuß, Schwanenblume oder  Einfachem Igelkolben besiedelt (Lebensraumtyp 3260). Bewaldete Uferbereiche kommen vor allem im oberen und mittleren Travetal vor, gehölzarme Uferabschnitte überwiegen.

Flutender Hahnenfuß
Unterwasserpflanzen in der Trave am Brenner Moor

Naturschutzrelevant sind die fließgewässerbegleitenden Feuchten Hochstaudenfluren (Lebensraumtyp 6530). Dies sind brachgefallene Wiesen mit Stauden wie Sumpfkratzdistel, Echtem Mädesüß oder Kohldistel sowie Rohrglanzgras und Brennnessel.

Feuchte Hochstaudenflur bei Bad Segeberg
Feuchte Hochstaudenflur in Bad Segeberg

Von großer Bedeutung sind die Salzquellen (Lebensraumtyp 1340), die an einigen Standorten wie dem Brenner Moor, aus dem Boden austreten. Einige liegen innerhalb beweideten Grünlandes, andere in Schilfröhrichten.

Erlebnissteg im Brenner Moor
Salzquelle im Brenner Moor

Der Nütschauer See wurde dem Lebensraumtyp 3150, natürlicher eutropher See, zugeordnet.

Nütschauer See

Unterhalb des Travehanges sowie in den Bachschluchten sind Erlenwälder entwickelt, die dem Lebensraumtyp der Auwälder (LRT 91E0) zugeordnet werden.

Quelliger Erlen-Eschenwald bei Bebensee
Quelliger Erlen-Eschenwald bei Klein Gladebrügge

Die steilen Talflanken der Trave und ihrer kleinen Zuflüsse sind überwiegend bewaldet. Während in flacheren Bereichen Waldmeister-Buchenwälder (Lebensraumtyp 9130) vorkommen, sind in steileren Bereichen Eichen-Hainbuchenwälder (Lebensraumtyp 9160) entwickelt. Sie zeichnen sich durch einen großen Reichtum an frühlingsblühenden Kräutern aus.

Waldmeister-Buchenwald bei Lokfeld
Waldmeister
Stieleichen-Hainbuchenwald bei Bebensee
tote Bäume als Lebensraum

An sehr steilen Talflanken sowie in sehr schmalen Bachtälern ist der Lebensraumtyp der Hangschluchtwälder (LRT 9180) ausgeprägt. Buchen sind häufig. Bemerkenswert ist die säbelartige Wuchsform vieler Bäume. Das Mikroklima zeichnet sich durch eine höhere Luftfeuchtigkeit aus.

Hangschluchtwald bei Barnitz
Hangschluchtwald bei Barnitz

Fauna im FFH-Gebiet "Travetal"

Das Travetal wird von vielen Tierarten besiedelt, zur Nahrungssuche oder zur Brut aufgesucht, die unter das schleswig-holsteinische, deutsche oder europäische Naturschutzrecht fallen, also unter deren Schutz fallen. Einige Arten genießen im FFH-Gebiet einen besonderen Schutz. Dazu zählt das Bachneunauge, das im Gebiet noch vorkommt, während das Meerneunauge und das Flussneunauge in den letzten Jahren nicht mehr nachgewiesen wurden. Der Steinbeißer, als einzige bedeutende Fischart, lebt ebenfalls nur in wenigen Abschnitten der Trave. 

Großmuscheln unterhalb des Warder Sees
Kraniche im Travetal bei Högersdorf

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Wiebke Sach

Kontakt

Managementplanung Travetal
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