Natura 2000 - Schlei

Die Schlei und der europäische Naturschutz

Die Schlei als Brackwasser-Meeresbucht ist mit ihrem Küstensaum und den Nooren eine Region mit besonders vielen seltenen Pflanzen und Tieren. Deshalb sie wurde vom Land Schleswig-Holstein sowohl als sogenanntes Flora-Fauna-Habitat (kurz: FFH-Gebiet, DE 1423-394) als auch als Vogelschutzgebiet (DE 1423-491) ausgewiesen und an die Europäische Union im Rahmen des Natura 2000-Schutzgebietssytem gemeldet. Das bedeutet, dass die hier vorkommenden Lebensgemeinschaften spätestens seit November 2007 weder zerstört noch negativ beeinträchtigt werden dürfen. Um eventuelle Verschlechterungen zu vermeiden, verpflichteten sich die Mitgliedstaaten der Europäischen Union und somit auch die deutschen Bundesländer, die dafür erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen festzulegen. Dies geschieht mittels eines FFH-Managementplanes, der für jedes FFH-Gebiet nach bestimmten Vorgaben aufgestellt werden muss. Dazu sind die Länder gemäß rechtlicher Vereinbarungen innerhalb der EU verpflichtet.

 Mehr zu Natura 2000

Steilküste
Schilfröhricht in der Schlei

Die Schlei und der FFH-Managementplan

In Schleswig-Holstein wurden Managementpläne bereits für ungefähr ein Drittel aller FFH-Gebiete aufgestellt, ein weiteres Drittel wird zurzeit bearbeitet. Das FFH-Gebiet DE-1423-394 „Schlei inklusive der Schleimündung und vorgelagerter Flachgründe“ ist mit rd. 8750 ha eines der größten im Land. Bei der Managementplanung ist eine intensive Einbindung und Abstimmung mit der Bevölkerung vorgesehen. Deshalb wird es in mehrere Abschnitte aufgeteilt. Für das rd. 700 ha große NSG „Schleimündung“ ist das Planwerk abgeschlossen. Aktuell wird der Managementplan für die Südseite der Schlei aufgestellt werden. Die Bearbeitung der Schlei-Nordseite steht noch aus.

Veränderung der Küstenlinie: Bodenabtrag und Windwatt als Anlandungsbereich im Hintergrund
Salzbunge (Samulos valerandi)

FFH-Managementplan für die Südseite der Schlei

Das jetzt zu bearbeitende Teilgebiet setzt am NSG Schleimünde an und zieht sich südlich an der Schlei entlang bis zum Haddebyer Noor. Neben dem schmalen Küstenband umfasst es auch das Ornumer Noor, den Holmer See, das Haddebyer sowie das Selker Noor.


Es handelt sich um den Küstenstreifen und das daran angrenzende Land. Damit handelt es sich nicht nur um brachgefallene, sondern auch um genutzte landwirtschaftliche Flächen in privatem Eigentum. Dementsprechend groß ist der zu erwartende Abstimmungsbedarf.


Mit der Aufgabe betraute das Land Schleswig-Holstein den Deutschen Verband für Landschaftspflege e.V.. Dieser versteht sich aufgrund seines Selbstverständnisses und seiner personellen Zusammensetzung aus Vertretern des Naturschutzes, der Landwirtschaft und der Kommunalpolitik als Mittler zwischen Naturschutz und Landwirtschaft. Die aus der Landwirtschaft stammende Biologin Dr. Wiebke Sach wird das Gespräch mit den Flächeneigentümern oder –nutzern, Kommunalvertretern und sonstigen Interessierten suchen. Mit ihnen sollen die Maßnahmen zur Erhaltung der gebietsspezifischen seltenen Lebensräume und - wo nötig auch zu ihrer Verbesserung - erörtert und festgelegt werden. Neben den erforderlichen Erhaltungsmaßnahmen können gegebenenfalls auch weitergehende Maßnahmen wie beispielsweise naturkundliche Informationseinrichtungen für wünschenswerte Entwicklungen im Gebiet entwickelt werden.
Bei der Umsetzung der Maßnahmen sollen verschiedene Instrumente wie Vertragsnaturschutz, Flächenkauf, langfristige Pacht und die Durchführung von konkreten Biotopmaßnahmen zur Anwendung kommen. Freiwillige Nutzungsvereinbarungen mit Flächennutzern sollen den Schutz der gebietstypischen Salzwiesen, Feuchtwiesen und anderer Grünländereien gewährleisten.


Zur Erfassung des Gebietes schaut sich Wiebke Sach das Gebiet an. Im nächsten Schritt werden dann Informations- und Erörterungstermine stattfinden, die rechtzeitig vorher bekannt gegeben werden. Im Falle, dass Flächennutzer, Kommunalvertreter oder sonstige Interessierte Fragen haben oder dass Flächennutzer Wiebke Sach bei der Flächenbesichtigung begleiten wollen, möchten sie sich mit ihr unter der Telefonnummer 04602 – 96 78 338 oder unter sach(at)lpv.de in Verbindung setzen.

beweidete Salzwiese
artenreiches Grünland ohne Beweidung

Die Schlei und ihre besonderen Lebensräume

In der Schlei selbst und in ihren Nooren kommen dem Ufer vorgelagert und im Übergang zum Land Röhrichte als wertvolle Lebensräume vor. Die stark geschwungene Küstenlinie der Schlei gliedert sich in flache Ufer mit Strandwällen, bewachsenen Kiesstränden und Spülsäumen sowie in Steilufer unterschiedlicher Höhe. In einigen Bereichen findet eine aktive Erosion mit Abtrag des Hanges statt. Charakteristisch sind die Noore, enge offene Buchten der Schlei, sowie die Strandseen, die zwischenzeitlich von ihr abgetrennt sind und nur noch selten vom Hochwasser erreicht werden.


Besonders hervorzuheben sind die genutzten Salzwiesen, die sich nach Nutzungsaufgabe in Röhrichte entwickeln. Vor allem an den Nooren finden sich Wiesen, die kleinflächig besondere Pflanzenarten durch das Vorkommen von kalkreichem oder nährstoffarmem Boden aufweisen und deshalb von europäischer Bedeutung sind. Des Weiteren gehören einige Buchen- und Eichenwälder zur schützenswerten Natur im FFH-Gebiet.


Diese besonderen Lebensräume werden von seltenen Pflanzen und Tieren belebt, diese können aufgrund ihrer Spezialisierung keine anderen Lebensräume besiedeln und sind deshalb auf die Erhaltung der vorhandenen angewiesen.

kleine Steilküste mit angrenzendem Strandwall
Salzrasen mit Tümpel und Brackwasserröhricht

Ihre Ansprechpartnerin

Dr. Wiebke Sach

Kontakt

Managementplanung Schlei
Dr. Wiebke Sach
Steindamm 12
D-24991  Großsolt

Tel.: +49 (0)4602 - 96 78 338 
sach(at)lpv.de

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Koordinierungsstelle Schleswig-Holstein
Hamburger Chaussee 25 · 24220 Flintbek
Tel.: +49 (0)4347 - 9093884 · Internet: schleswig-holstein.lpv.de