Erprobung neuer Strategien zum Erhalt und zur Entwicklung von artenreichem Grünland in Schleswig-Holstein

Grünlandflächen, die sich durch einen besonderen Arten- und Strukturreichtum und/oder spezielle Lebensgemeinschaften auszeichnen, sind in Schleswig-Holstein selten geworden. Der Deutsche Verband für Landschaftspflege (DVL) hat in den Jahren 2014 und 2015 wichtige Basisinformationen zusammen getragen und Strategieansätze für zukünftige Schutzkonzepte des Grünlandes abgeleitet und mit deren Erprobung begonnen. In einem neuen Projekt wird an die begonnene Arbeit angeknüpft. Dabei wird gezielt nach neuen Wegen beim Grünlanderhalt gesucht und deren modellhafte Umsetzung angestrebt.

Aktuelle Situation

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in Schleswig-Holstein die Situation des „Wertgrünlandes" drastisch verschlechtert. Während bis Ende der 1990er Jahre maßgeblich die Nutzungsintensivierung für den Rückgang des arten- und strukturreichen Dauergrünlandes verantwortlich war, ist in den letzten 10 Jahren insbesondere auf ackerfähigen Standorten der Umbruch mit nachfolgender Ackernutzung für den Schwund verantwortlich. Für das „Wertgrünland" nasser Standorte war auch die Nutzungsaufgabe ein wichtiger Verlustfaktor. „Wertgrünland“ ist in Schleswig-Holstein derzeit nur teilweise gesetzlich geschützt. Während für die Biotope der „binsen- und seggenreichen Nasswiesen" und „Großseggenrieder" nach dem Bundes- und Landesnaturschutzgesetz „erhebliche Beeinträchtigungen“ verboten sind, unterliegt das arten- und strukturreiche mesophile Dauergrünland keinem Schutzstatus. Stichprobenartige Erhebungen des „Wertgrünlandes“ haben überdies gezeigt, dass auch der gesetzliche Biotopschutz der Nasswiesen kaum dazu beigetragen hat, den Schutzwert zu erhalten. Etwa die Hälfte der Flächen ist heute verbracht oder durch die Aufgabe der aktuell noch extensiven Nutzung bedroht. Der anhaltende Verlust des „Wertgrünlandes" zeigt deutlich, dass die bestehenden Schutzkonzepte erweitert und überarbeitet werden müssen. Ansatzpunkte für die Entwicklung neuer Lösungsstrategien, die auf freiwilligen Übereinkünften mit Eigentümern und Nutzern beruhen, sind Weiterentwicklungen der Förderinstrumente sowie auch der Organisation der Maßnahmenumsetzung. Der DVL hat vor dem geschilderten Hintergrund im Jahr 2014 ein zweijähriges Modellvorhaben umgesetzt, in dem in repräsentativen Regionen des Landes Erfahrungen gesammelt wurden, unter welchen Bedingungen „Wertgrünland" heute in Schleswig-Holstein existiert und in einem günstigen Zustand erhalten werden kann.

Feuchtgrünland a.d. Treene
Feuchtgrünland Schwentienetal

Erprobung von Strategien

Anfang 2016 wurde ein dreijähriges Projekt gestartet, welches basierend auf den Erkenntnissen aus dem vorangegangenen Modellvorhaben die Bereiche mit einem besonderen Handlungsbedarf in den Vordergrund stellt. Dies sind zum einen das Nassgrünland und zum anderen die artenreichen „Hot-spot“-Flächen für das umsetzungsreife Erhaltungskonzepte bislang fehlen. Der bislang erprobte modulare Maßnahmenkatalog sowie die Möglichkeiten einer ergebnisorientierten Förderung, die bereits in anderen Bundesländern im Angebot des Vertragsnaturschutzes sind, sollen hierbei weiter verfolgt bzw. erprobt werden. Neben dem genannten ist ein weiteres Handlungsfeld des Projektes die Inwertsetzung der Aufwüchse des artenreichen Grünlandes. Bei der Aufwertung artenärmerer Flächen haben sich Pferdebetriebe als gute Kooperationspartner herausgestellt. Dieser Ansatz soll weiterverfolgt und ausgebaut werden. Zusätzlich sollen erste Hinweise auf Absatzmöglichkeiten des Aufwuchses von Feuchtgrünland in der Milchviehhaltung überprüft werden. Das Projekt wird durch das schleswig-holsteinische Umweltministerium finanziell gefördert.

Ihr Ansprechpartner

Christoph Gasse
Tel.: +49 (0) 152 3105 99 86
gasse@lpv.de

Deutscher Verband für Landschaftspflege e.V. (DVL) · Koordinierungsstelle Schleswig-Holstein
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Tel.: +49 (0)4347 - 9093884 · Internet: schleswig-holstein.lpv.de